Die Schlümpfe - blaues Gold

Der wohl interessanteste und mit Abstand spannendste Part im Ü-Ei sind definitiv die Schlümpfe der ersten Generation.

 

Nicht nur, dass für viele Sammler hier das Sammeln erst beginnt, da es sich bei Erkennst Du Deinen Schlumpf um die erste „Hauptserie“handelt, sondern weil viele Sammler diese Figuren als erste Erinnerung ihrer Kindheit ansehen.

 

Jahrelang gingen die Katalogmacher hier von einem Start im Jahr 1981 aus. In alten Katalogen findet man diesen Zeitmarker überall. Doch das ist falsch. Die ersten Schlümpfe erschienen bereits 1979 im Ü-Ei.

Jahre zuvor hatte der Gummifigurenhersteller Schleich die Lizenz von Peyo erworben und vor allem in den Jahren bis 1978 unzählige Gummischlümpfe auf den Markt geworfen, die wir wohl alle kennen. Diese Motive ins Ei zu bringen, dass war die Idee von Ferrero. Also setzte man sich mit Peyo zusammen und kaufte eine Lizenz.

 

Nun ist Peyo sehr streng, was die Äußerlichkeiten ihrer Figuren betrifft und Ferrero macht erstmal alles falsch. Sehr zu großen Freude von uns Sammlern heute.  

 


Die ersten Schlümpfe – 6 Stück – an der Zahl – waren in den Augen von Peyo komplette Fehlkonstruktionen. Die vorgegebenen Formen wurden zwar eingehalten, aber die Farben stimmten überhaupt nicht. Dennoch hatte Ferrero die Figuren in Serie genommen, doch Peyo legte ein Veto ein.

  

Alle 6 Schlümpfe waren den Franzosen viel zu dunkel. Die Flöte von Musikus war rot, statt gelb. Der Spiegel des Eitelkeitsschlumpf silbern bemalt, statt weiß. Also wurde erstmal nachgebessert. Die rote lange Flöte wurde kurzerhand gelb übermalt. (Siehe Bild links) und zählt damit zu den wertvollsten Zubehörteilen, die ein Sammler besitzen kann. Einen silbernen Spiegel konnte man jedoch nicht übermalen. Daher gibt es ihn heute noch.

  

In der zweite Phase der „Ausbesserung“ goss man Figuren – erneute die gleichen 6 Motive - aus blauem Grundmaterial und bemalte Beine und Mütze nachträglich mit weiß bzw. rot. 

  

Diese beiden 6er Serien der ersten Ü-Ei-Schlumpfgeneration waren nur kurze Zeit im Ü-Ei zu finden und zählen heute zu den wertvollsten Figuren, die man haben kann.

 

Einen dritten Fehlversuch gab es auch noch. Wieder die 6 Figuren........nur diesmal zu hell.

 

Erst dann, im vierten Versuch, konnte man es den Franzosen recht machen. Die Figurenbreite wurde auf 12 Figuren im Satz erhöht.

 

Die EDDS Serie befand sich darauf hin bis 1983 im Ü-Ei. Insgesamt also 4 volle Jahre. Das ist auch der Grund, warum man heute noch immer so viele davon überall finden kann.

 

Beim Schlümpfe sammeln ist der Erhaltungsgrad der Figur entscheidend. Es gibt viele davon, aber 80% haben Macken im Lack oder sind vergilbt. Nur perfekte Schlümpfe erzielen hohe Preise.

  

Das hier geschriebene wurde erst spät in den 2000ern entdeckt. Damals bemerkten „Eierforscher“, dass die Farbpalette der Schlümpfe doch etwas zu groß für einfache Vergilbung oder Umwelteinflüsse zu sein schien. Bevor man damit über die größte Ü-Ei-Website der Sammlerwelt an die Öffentlichkeit ging, wurde sehr gründlich eingekauft und zusammengestellt, bis man genug Informationen beisammen hatte um einen großen Schlumpfbericht auf www.eierlei.de zu veröffentlichen.  

Die Sammlerwerte der ersten beiden „dunklen“ Serien schossen darauf hin in die Höhe. Bis zu 

7000,- € sind einzelne – gut erhaltene – Figuren im Realwert gehandelt worden. Jeder Schlumpfsammler stürzte sich auf seine Sammlung und schaute nach den Raritäten, die er vielleicht vorher gar nicht bemerkt hatte.

 

Das ist aber noch nicht alles.

 

Wieder etwas später viel auf, dass noch eine Variantenart der EDDS-Serie gibt. Die sogenannten „schlierigen Schlümpfe“.

 

Diese Produktion war, wie bereits beschrieben, vier volle Jahre im Ei. Natürlich wechselten Resine, Farben und Kennungen an den Figuren. Man kann ja nicht 4 Jahre lang immer dieselbe Gußform benutzen. Irgendwann ist die einfach durch.  


Schlierige Schlümpfe sind von einem kräftigen blau, das auf dem Körper schlieren zieht. Man könnte auch Nasen sagen, die entstehen, wenn die Farbe vor dem trocknen nochmal verläuft. Sie sind für Laien ganz schwer zu erkennen. Das kräftige blau und sehr kleine, gemalte, nicht gesprühte Augen sind das Merkmal, auf das zu achten ist.

 

Alles in allem kann man einen Haufen Geld ausgeben, wenn man den Ehrgeiz hat, diese Serie voll zu sammeln.

 

Die schlierige Bemalung lässt jedoch noch einen weiteren Gedanken zu.

 

 

Die EDDS Serie könnte sich möglicherweise mit der Serie Olympiade der Schlümpfe 1983 überschnitten haben. Denn auch hier haben wir schlierige Schlümpfe, die nicht ganz so selten sind.  

Die Olympiade der Schlümpfe – dann 1983 – war lange lange Zeit der mit Abstand beliebteste Sammelsatz überhaupt. Waren hier der Stelzenschlumpf und der Eierläufer das Objekt vieler Begierden und lange Zeit die wertvollsten Figuren, die man haben konnte.

 

Diese Serie gibt es nur in zwei Blautönen. Das übliche Schlumpfblau und ein etwas dunkleres Marineblau.

  

Was diese Serie jedoch so interessant macht, sind unterschiedliche Grundmaterialien. Es gibt derer drei. Das normale weiße Material, das beim größten Teil der Olympiaschlümpfe genommen wurde. Ein glasiges Gießharz und eines, dass dem Schlumpf einen perlmuttartigen Glanz verpasst. Die Perlmuttschlümpfe.  


Ebenfalls interessant ist, das Eierläufer, Stelzenschlumpf, Schlumpfine 1991 ohne Zubehör im Maxi-Ei erschienen. Warum man keine Anderen dafür genommen hat....keine Ahnung. Deren Farbe ist wieder etwas dunkler. Beim Stelzer sind die Einstecklöcher für die Stelzen nicht ausgeprägt genug, um Stelzen einstecken zu können.

 

Wer Schlümpfe sammelt, ist heutzutage auch Schatzjäger. Von den erstgenannten dunkelblauen Schlümpfe sind jeweils kaum zwei Dutzend je Motiv bekannt. Wie hoch die Dunkelziffer heute noch ist, kann man nicht sagen.

  

Die lange Präsenz der Schlümpfe über mehrere Jahre im Ei, hat viele viele Varianten hervorgebracht. So kann man sich an verschiedenen Lackierungen orientieren. Bemalte, oder unbemalte Fußsohlen, handbesprühte Schlümpfe oder handbemalte Figuren, aber auch einige Verformungsvarianten, wie diese auf dem Bild hier.

 

Fazit: Es ist also schon nur eine Kleinigkeit, die aus einem ganz normalen Ü-Ei-Schlumpf blaues Gold machen kann.  

Text und Bilder (c) Michael Graf 2020

Bild schlieriger Schlumpf (c) Christian Kallmeier 

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